🏛️ KZ Hohnstein
© Norbert Kaiser · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
Das Konzentrationslager Hohnstein (KZ Hohnstein) war ein frühes Konzentrationslager in Hohnstein in der Sächsischen Schweiz von März 1933 bis August 1934. Von 1939 bis 1940 wurde es als Offiziersgefängnis Oflag IV-A genutzt.
Geschichte
Am 8. März 1933 besetzten SA-Leute des Sturmes 5/100 die Jugendburg Hohnstein und funktionierten sie in ein Konzentrationslager um. Ab dem 14. März kamen die ersten Gefangenen in das Lager. Bei den Inhaftierten handelte es sich meist um NS-Gegner – größtenteils Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter – und andere dem Nationalsozialismus Missliebige aus dem Großraum Dresden, so 17 Zeugen Jehovas. Es waren aber auch etwa 400 Jugendliche auf der Burg inhaftiert.
Bis August 1934 wurden ungefähr 5.600 Menschen nach Hohnstein verschleppt. Die Bewachung erfolgte durch Angehörige des Pirnaer SA-Sturmes 177. Die Gefangenen wurden im Steinbruch Heeselicht (bei Stolpen) zu schwerster Zwangsarbeit eingesetzt. Hier starben mehrere Häftlinge an den Folgen der Peinigung durch SA-Angehörige, einige nahmen sich das Leben. Insgesamt gab es ca. 40 Todesopfer. Teilweise wurden Häftlinge des KZs bei öffentlichen Bauten zur Zwangsarbeit verpflichtet, so auch beim Bau des nahen Deutschlandrings, eine der ersten Rennstrecken Deutschlands, als Häftlinge zum Ausbau der Serpentinen auf der Wartenbergstraße gezwungen wurden. Nach der Entmachtung der SA im Zuge des angeblichen Röhmputsches übernahmen am 30. Juni 1934 Angehörige der SS unter Leitung des SS-Hauptsturmführers Karl Otto Koch die Bewachung. Sie brachten gleich einige gefangengesetzte SA-Führer im Lager unter, so unter anderem den abgesetzten Ministerpräsidenten und SA-Obergruppenführer Manfred von Killinger. Das Lager wurde am 25. August 1934 aufgelöst. Viele der Häftlinge wurden in das KZ Sachsenburg verlegt.
Am 1. Oktober 1939 wurde das Gefängnis als Offizierslager Oflag IV-A wieder eröffnet. Bis Ende 1940 wurden hier polnische, französische und niederländische Offiziere inhaftiert. Bekannte Häftlinge waren unter anderen Juliusz Rómmel, Tadeusz Kutrzeba und Henryk Sucharski.
Prozesse
In den frühen Jahren der NS-Zeit nahmen einzelne Staatsanwälte und Richter ihre Strafverfolgungspflichten noch wahr: 1935 standen die SA-Wachen vor Gericht und wurden am 15. Mai 1935 in Dresden wegen „gemeinschaftlicher Körperverletzung im Amt“ verurteilt. Wegen „Körperverletzung im Amte in Tateinheit mit deren Duldung“ kam es zu teils sechsjährigen Gefängnisstrafen. Jedoch begnadigte Hitler sie daraufhin persönlich.
Nach Kriegsende fanden die sogenannten Hohnstein-Prozesse statt. Mehrere dort Verurteilte wurden später vom Ministerium für Staatssicherheit der ehemaligen DDR als Inoffizielle Mitarbeiter angeworben.
Bekannte Häftlinge
Emerich Ambros (1896–1933), ungarisch-deutscher Antifaschist, 1933 im KZ Hohnstein ermordet
Willy Anker (1885–1960), Politiker und Widerstandskämpfer, SPD-Mitglied
Wolfgang Bergold (1913–1987), Widerstandskämpfer, Botschafter der DDR in der Demokratischen Republik Vietnam
Peter Blachstein (1911–1977), Politiker (SPD), Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Jugoslawien (1968–1969)
Rudolf Brückner-Fuhlrott (1908–1984), Maler und Bildhauer
Wilhelm Dieckmann (1902–1934), Widerstandskämpfer, Mitglied der Roten Bergsteiger
Herbert Ebersbach (1902–1984), Maler
Emil Georg Fichtner (1885–1938), Bürgermeister von Seifhennersdorf
Karl Friedemann (1906–2000), Widerstandskämpfer und Arbeiterfunktionär, Ehrenbürger von Dresden
Eugen Fritsch (1884–1933), SPD-Politiker, Widerstandskämpfer, 1933 im KZ Hohnstein ermordet
Helmut Gansauge (1909–1934), Mitglied der Roten Raketen und der Vereinigten Kletterabteilung
Konrad Hahnewald (1888–1962), Leiter der Jugendburg Hohnstein von 1925 bis 1933. Er gilt als erster Häftling des Konzentrationslagers Hohnstein.
Linus Hamann (1903–1985), Politischer Leiter in der KPD
Martin Hering (1879–1933), Widerstandskämpfer aus Struppen, in Hohnstein ermordet
Manfred von Killinger (1886–1944), Marineoffizier, SA-Angehöriger sowie sächsischer Ministerpräsident
Kurt Krjeńc (1907–1978), sorbischer Kommunist und langjähriger Vorsitzender der Domowina
Arno Lade (1892–1944), Arbeiterfunktionär, KPD-Mitglied
Erich Langer (1903–1992), Bergsteiger und Naturfreunde-Funktionär
Hermann Liebmann (1882–1935), Politiker (SPD)
Reinhold Lochmann (1914–2008), Widerstandskämpfer, Mitglied im Kommunistischen Jugendverband Deutschlands
Paul Macher (1891–1939), Politiker (SPD), Stadtrat und Finanzbeamter in Kamenz, gestorben an den Folgen der Haft
Richard Mildenstrey (1884–1956), Politiker (KPD), Abgeordneter des Sächsischen Landtages
Alfred Möbius (1907–1945), Bergsteiger aus Sebnitz, Mitglied der Naturfreunde
Fritz, Oskar und Herbert Morche, Mitglieder einer antifaschistischen Familie aus Pirna
Paul Rumpelt (1909–1961), KPD-Mitglied, Abteilungsleiter des Ministeriums für Staatssicherheit (Sicherung Haftanstalten)
Ernst Heinrich Prinz von Sachsen (1896–1971), jüngster Sohn des letzten sächsischen Königs Friedrich August III.
Richard Schäfer (1884–1945), Kommunalpolitiker
Eva Schulze-Knabe (1907–1976), Malerin und Grafikerin, Mitglied der KPD
Fritz Schulze (1903–1942), Maler und Widerstandskämpfer, KPD-Mitglied
Georg Schwarz (1896–1945), Politischer Sekretär der KPD und Widerstandskämpfer
Rudolf Stempel (1879–1936), Pfarrer, starb an den Folgen der 1934 erlittenen Folter im KZ Hohnstein; Märtyrer der Evangelischen Kirche
Armin Walther (1896–1969), Widerstandskämpfer, Mitglied der SPD
Arthur Weineck (1900–1944), Dresdner Arbeiterfunktionär und Widerstandskämpfer
Arno Wend (1906–1980), Politiker (SPD)
Gedenken
Am 1. November 1952 wurde auf der Burg Hohnstein eine Gedenkstätte eröffnet. Im Jahr 1995 wurde diese Dauerausstellung geschlossen.
Am 2. Juli 1961 wurde die noch heute existierende Gedenkstele von Wilhelm Landgraf im Beisein von ehemaligen Häftlingen eingeweiht.
In Dresden wurde eine Straße nach Emerich Ambros benannt (Emerich-Ambros-Ufer). Am Haus Nummer 50 befindet sich eine Gedenktafel.
In Dresden erinnert eine Gedenkstele an der Ecke Pillnitzer Straße/Gerichtsstraße an die Haftanstalt Mathildenstraße, von der aus Gefangene in das KZ Hohnstein gebracht wurden.
In Pirna erinnert eine Gedenktafel von 1984 am alten Pirnaer Stadtgefängnis, der Fronfeste in der Schmiedestraße 8, an die Verfolgung politischer Systemgegner, die von dort aus in das KZ Hohnstein deportiert wurden.
In Struppen (Hauptstraße 32) erinnert eine Gedenktafel an den 1933 im KZ Hohnstein ermordeten kommunistischen Hitlergegner Martin Hering (Widerstandskämpfer).
In Weinböhla (Dresdner Straße) erinnert eine Tafel an Hellmut Türk, der 1933 im KZ Hohnstein ermordet wurde.
Nach Rudolf Stempel ist in Riesa-Gröba die Rudolf-Stempel-Straße benannt sowie das Christliche Gymnasium „Rudolf Stempel“.
Am 11. März 2023 wurde durch den AKuBiZ e. V. eine kleine Ausstellung im ehemaligen Frauenbunker eingerichtet. Sie erinnert auf fünf Tafeln an die Burggeschichte zwischen 1924 und 1945. Zur Einweihung kamen über 100 Gäste, auch Angehörige ehemaliger Häftlinge.
Im März 2025 wurde eine Lagerarbeitsgemeinschaft (LAG KZ Hohnstein) gegründet, in der sich auch Angehörige ehemaliger Häftlinge engagieren. Diese führte im März 2026 den Ersten Hohnsteiner Dialog durch. Zu diesem Anlass wurde eine neue Ausstellung in der Burg eröffnet, die zwölf ehemalige Häftlinge des KZ Hohnstein porträtiert.
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