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🏛️ Peterskirche

Peterskirche

© JeanNeef · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

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🕐 Öffnungszeitennicht bekannt
🎟️ Eintrittnicht bekannt
♿ Barrierefreiheitteilweise barrierefrei

Angaben ohne Gewähr · Stand 26.09.2026 · Daten © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL)

Daten zum Bauwerk

🗺️ Lage51.330464, 12.375702 · auf der Karte

Angaben aus Wikidata (CC0)

Die Peterskirche ist eine evangelisch-lutherische Pfarrkirche im südlichen Zentrum von Leipzig auf dem heutigen Gaudigplatz. Aufgrund der nicht mehr vorhandenen festen Bestuhlung der Kirche bietet das Kirchenschiff einen flexiblen Veranstaltungsraum, der neben den Gottesdiensten auch für vielfältige Konzerte, Theateraufführungen, Ausstellungen und Tagungen genutzt wird.

Baugeschichte (1876–1886)

Aufgrund der stark gewachsenen Mitgliederzahl der Petersgemeinde entschloss sich der Kirchenvorstand 1876 unter Vorsitz des Pfarrers und Theologieprofessors Gustav Adolf Fricke, einen Kirchenneubau zu errichten. Eine geeignete Fläche erwarb die Kirchgemeinde durch den Tausch des Areals der alten Peterskirche gegen den damaligen Schletterplatz südlich der Innenstadt. Nach Ausschreibung eines Architekturwettbewerbes im gesamten deutschsprachigen Raum im Jahr 1877 und Prüfung der eingegangenen 80 Entwürfe wurden die Architekten August Hartel und Constantin Lipsius für die Erstellung und Realisierung eines gemeinschaftlichen Entwurfs auf Grundlage ihrer zwei vorgeschlagenen Baupläne verpflichtet. Die Grundsteinlegung der neuen Peterskirche wurde am 17. September 1882 gefeiert, mit den Bauarbeiten hatte man jedoch bereits im März begonnen. Das neugotische Bauwerk besitzt mit 88,5 Metern bis heute den höchsten Kirchturm der Stadt und wurde am 27. Dezember 1885 geweiht. Zu diesem Zeitpunkt waren jedoch noch nicht alle Bauarbeiten abgeschlossen. So wurden die Ausmalung der Kirche und das Einsetzen der Glasgemäldefenster erst im Jahr 1886 vollendet.

Entwicklung (1886–2009)

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die ursprünglich vorhandene Gasbeleuchtung der Kirche durch mächtige elektrische Kronleuchter ersetzt, welche wiederum 1965 neuen Deckenleuchtern wichen. 1937 wurde vor dem Eingang das Kriegerdenkmal aufgestellt. In der Nacht vom 3. zum 4. Dezember 1943 erlitt die Kirche bei einem Luftangriff auf Leipzig erhebliche Schäden, die u. a. das Hauptdach, die Kapellen, die Fenster und auch teilweise den Innenraum betrafen. Die 1885 von Wilhelm Sauer gefertigte große Orgel war seither der Außenluft ausgesetzt. Die Taufkapelle brannte mitsamt der darin stehenden, kleinen Sauer-Orgel infolge eines Schwelbrandes, den eine Brandbombe verursachte, vollständig aus. Der Ruß konservierte allerdings einen Teil der Wandmalereien. Der Dachstuhl und das Gewölbe wurden 1948/49 provisorisch gesichert. Das Gotteshaus hatte rund zehn Jahre kein Hauptdach, ehe es ab 1954 mit schwedischer Hilfe wieder errichtet wurde. Der Plan, die große Sauer-Orgel herzurichten, zerschlug sich aufgrund der politischen Situation und fehlenden Geldes 1957 endgültig. In den Folgejahren kam es zu weiteren Zerstörungen durch Diebstahl, Vandalismus und witterungsbedingte Steinzersetzung.

Die EKD stellte zwischen 1973 und 1975 die Summe von 155.000 D-Mark bereit, damit über ein Kirchenbauprogramm in der DDR dieselbe Summe in DDR-Mark für Sanierungs-Bauleistungen dieses Sakralbaus verfügbar war.

1978 beschloss die Kirchgemeinde, das feste Gestühl aus dem Kirchenraum zu entfernen.

Die Taufkapelle war bis in die 1980er Jahre infolge der Zerstörung aller Fenster im Krieg der Witterung ausgesetzt und wurde, als eine großzügige Instandsetzung der Kirche begonnen werden konnte, ab 1992 bevorzugt restauriert. 2005 konnte sie geweiht werden.

Nach der politischen Wende wurde 1992 mit der Beräumung und schrittweisen Instandsetzung der Kirche begonnen. Seither wurden das Dach und weite Teile der Sandsteinfassade saniert. Das Geläut musste 2005 wegen der nachlassenden Belastbarkeit des Turms vorübergehend stillgelegt werden. Mehrere Faktoren machten eine grundlegende Instandsetzung erforderlich: Zum Einen führten schon bei der Errichtung der Kirche begangene Fehler zu Schäden. Die Verwendung eines zementhaltigen und daher für Sandstein ungeeigneten Mörtels beim Bau des Turms verursachte das Eindringen von Wasser in die Fugen. Dieses verursachte Salzausblühungen, ließ die Eisenbewehrungen rosten und den Sandstein sprengen. Eine fehlende Belüftung des Turminneren begünstigte die permanente Überfeuchtung der Bausubstanz. Zum Anderen waren im Zweiten Weltkrieg entstandene Schäden nur notdürftig behoben worden. Auch die Rauchgase aus den im Großraum Leipzig früher reichlich vorhandenen Kraftwerken und Feuerstätten, in denen schwefelhaltige Braunkohle verbrannt wurde, sowie Fahrzeugabgase und Taubenkot hatten der Bausubstanz zugesetzt. Darum wurde der Turm mitsamt der vier Fialen in den Jahren 2005 bis 2009 bis zur Höhe des Zifferblattes der Turmuhr abgetragen. Auf dem Turmschaft, also den unteren Teil des Turmes, wurde ein achteckiger Stahlbeton-Ringanker als Basis für den Turmhelm aufgesetzt und der Helm mit einer Kombination aus altem Material (außen) und neuen Sandsteinen (innen/tragende Teile) darauf wieder errichtet. Zusätzlich wurde das Innere der Spitze mit mehreren Ringankern und Stahlverstrebungen gesichert. In einem zweiten Bauabschnitt innerhalb dieser fünf Jahre wurde auch der Turmschaft saniert. Die grundhafte Sanierung aller äußeren Bereiche der Peterskirche endete im Juli 2014.

Bemerkenswert ist der in Sachsen einmalige restaurierte figürliche Bildzyklus der farbigen Glasmalereien der Kirche.

Der Leipziger Universitätschor nutzt die Kirche für Proben und Auftritte.

Architektur

Das Dehio-Handbuch Sachsen II von 1998 nennt die Peterskirche eine Hallenkirche. Das ist insofern begründet, als die Kämpfer der Mittelschiffsgewölbe und der Seitenschiffsjoche auf gleicher Höhe liegen. Allerdings sind die Seitenschiffsjoche untereinander durch Bögen verbunden, die knapp unterhalb der Kämpferhöhe der Gewölbe enden. Diese Spezialform der Hallenkirche mit leichter Annäherung an den Abseitensaal findet sich in der mittelalterlichen Architektur hier und da in Frankreich. Da das Mittelschiff deutlich höher ragt als die Seitenschiffe, ist die Peterskirche eine Staffelhalle. Zudem sind die Seitenschiffe mit gemauerten Emporen ausgefüllt, ist die Kirche also eine Emporenhalle.

Von außen betrachtet, liegen die Seitenschiffe unter Reihen von abgewalmten Zwerchdächern.

Orgeln

Große Sauer-Orgel

Die Peterskirche verfügte über eine große Orgel der Orgelbaufirma Wilhelm Sauer (Frankfurt/Oder). Dieses Instrument war 1885 erbaut worden und hatte 60 Register. Es hatte mechanische Spieltrakturen, die pneumatisch unterstützt wurden. Die pneumatische Registertraktur ermöglichte einige, für ihre Zeit neuartige Spielhilfen: Ein „Combinationspedaltritt“ erlaubte, zu einer bestehenden Registrierung weitere, ausgewählte Register hinzuzufügen oder auch wieder abzustoßen. Zwei Walzen/Rollschweller, eine für die ganze Orgel und eine weitere fürs Pedal, gestatteten große Lautstärkeunterschiede. Die von Fachleuten gelobte Qualität dieser Orgel ermöglichte es Sauer, den Auftrag für die kurz danach errichtete große Orgel der Thomaskirche zu erhalten.

Koppeln: Manualkoppeln, Pedalkoppeln, Generalkoopeln

Das Instrument war seit dem Bombenangriff in der Nacht vom 3. auf den 4. Dezember 1943, der das Kirchendach zerstörte, stark der Witterung ausgesetzt, und verfiel. 1958 wurden die Pfeifen teilweise eingeschmolzen, teilweise in anderen Instrumenten wiederverwendet. Erhalten ist nur noch der Prospekt. Seit 1995 gibt es Pläne für den Neubau eines großen Orgelwerks nach dem Vorbild Aristide Cavaillé-Colls hinter dem restaurierungsbedürftigen Sauer-Prospekt. Die Ausführung dieses schätzungsweise 3,4 Millionen Euro teuren Projekts wird erst nach einer abgeschlossener Restaurierung des Innenraums der Kirche möglich sein. Die Gewölbe über der Orgel sind bereits instandgesetzt.

Kleine Sauer-Orgel

Sauer baute auch eine kleine Orgel für die Taufkapelle. Das Instrument mit einer Eichenholzfront hatte 6 Register auf 2 Manualen und Pedal und wurde infolge des Brandes in der Kapelle im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Jahn-/Eule-Orgel

Derzeit wird eine kleine, um das Jahr 1900 von Johannes Jahn (Dresden) für die Universitätskirche erbaute und von Eule erweiterte Orgel als Begleitinstrument benutzt. Die Jahn-/Eule-Orgel konnte durch die Initiative von Winfried Schrammek vor der Vernichtung bewahrt werden, indem sie in den letzten zwei Tagen vor der Sprengung dieser Kirche im Jahr 1968 eiligst abgebaut, unter diesem Termindruck allerdings unsachgemäß demontiert wurde. Von 1973 bis 1994 stand sie im Gemeindesaal der Peterskirche, der später abgerissen wurde. Nach einer umfangreichen Restaurierung durch den Orgelbauer Gerd-Christian Bochmann, Kohren-Sahlis wurde sie am 19. November 1995 feierlich in der Peterskirche aufgestellt. Seit 1995 ist sie eine Dauerleihgabe der Universität Leipzig an die Petersgemeinde. Seitdem existiert die donnerstägliche Wort-/Musikreihe „Orgel-Punkt-Zwölf“ zugunsten der geplanten Hauptorgel.

Koppeln: Manual-Coppel, Pedal-Coppel

Bochmann-Truhenpositiv

Außerdem befindet sich in der Taufkapelle seit 2004 ein von Gerd-Christian Bochmann erbautes Truhenpositiv mit vier Registern.

Glocken

In dem 88 Meter hohen Turm hängen vier bronzene Glocken aus dem 19. Jahrhundert. Aufgrund des guten Klangs des Geläuts blieben sie vom Einschmelzen in den Weltkriegen ausgenommen. Sie haben ein Gewicht von 1568, 1304, 781 und 339 Kilogramm, stammen aus der Glockengießerei von G. A. Jauck in Leipzig und sind auf den A-Dur-Akkord gestimmt.

Geistliche

Geistliche (1. Stelle) der Vorgängerkirche, 1711–1876

1711 – Adam Bernd

1729 – Christian d. J. Weiß

1732 – Romanus Teller

1737 – Carl Gottlob Hofmann

1740 – Johann Paul Ram

1740 – Romanus Teller

1747–1773 Johann Friedrich Bahrdt

1803 – Johann Heinrich Meißner

1813 – Friedrich August Wolf

1842 – Wilhelm Naumann

1865 – Gustav Adolf Fricke

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