🏛️ Königshof
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Der Königshof in Boppard war ein bedeutender früh- und hochmittelalterlicher Reichshof und zeitweiliger Aufenthaltsort deutscher Könige und Kaiser. Er lag rheinabwärts außerhalb der mittelalterlichen Stadt Boppard und bildete zusammen mit der Remigiuskapelle einen eigenständigen herrschaftlichen Komplex. Die Anlage bestand bis zu ihrer Zerstörung im späten 15. Jahrhundert und dem vollständigen Abbruch zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Der Name lebt heute in der Bezeichnung Königsvilla des Weinguts Königshof fort.
Lage
Der Königshof befand sich rheinabwärts außerhalb der damaligen Stadt Boppard. Das Areal lag zwischen Rhein und dem später sogenannten Königsbach, nahe der heutigen B 9, und war aufgrund seiner verkehrsgeografisch günstigen Lage für königliche Aufenthalte geeignet. Das Gelände entspricht heute in etwa dem Bereich Koblenzer Straße 248. Die ursprünglich zum Hof gehörende Remigiuskapelle stand in unmittelbarer Nähe; an sie erinnert heute ein Heiligenhäuschen.
Geschichte
Frühmittelalter
Der Bereich des späteren Königshofes ging spätestens in merowingischer Zeit in königlichen Besitz über. Vermutlich bestand bereits zuvor ein fränkischer Herrscherhof, aus dem sich der spätere Königshof entwickelte. Zu Beginn des 9. Jahrhunderts befanden sich der Hof und die zugehörige Kapelle St. Remigius im Besitz der Abtei Stablo-Malmedy. Dieser Besitz wurde 814 in einer Urkunde Kaiser Ludwigs des Frommen bestätigt.
Im Jahr 950 wurde der Königshof erneut urkundlich erwähnt. 1042 gelangte der Besitz im Rahmen eines Tauschgeschäfts an das Hochstift Bamberg, nachdem bereits 1021 ein innerhalb der Stadt gelegener Hof von Kaiser Heinrich II. verschenkt worden war.
Königliche Pfalz des Hochmittelalters
In der Zeit der Ottonen wurde das eigentliche Königshaus als repräsentativer Aufenthaltsort der Herrscher ausgebaut. Der Hof diente als Pfalz, Verwaltungsmittelpunkt und Ort für Hoftage, Gerichtssitzungen, Belehnungen und Urkundenausstellungen. Bereits am 14. April 972 verfügte Kaiser Otto II., dass auch der Bopparder Königshof zum Heiratsgut seiner Gemahlin Theophanu gehören solle. Am 25. April 975 ist zugleich erstmals ein urkundlich belegter Aufenthalt eines Herrschers in Boppard nachgewiesen. Auch Otto III. hielt sich mehrfach in Boppard auf, unter anderem 992 und 995. Für Heinrich II. ist 1002 ein Aufenthalt belegt; 1005 bestimmte er den Königshof als Teil des Heiratsguts seiner Gemahlin Kunigunde.
Im 12. und 13. Jahrhundert blieb der Königshof ein bedeutender Reichsstützpunkt. Aufenthalte sind unter anderem für Konrad III., Philipp von Schwaben, Friedrich II. sowie Heinrich (VII.) nachgewiesen. Heinrich (VII.) hielt dort 1233 einen feierlichen Hoftag ab.
Übergang an Kurtrier
Nach der Wahl Heinrichs VII. übertrug dieser dem Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg die Verwaltung des Bopparder Reichsguts. Am 18. Juli 1312 verpfändete er Boppard und Oberwesel mit dem zugehörigen Reichsgut an Balduin. Damit verlor der Königshof seine ursprüngliche Funktion als unmittelbares Reichsgut. Nachdem Balduin Kontrolle über Boppard erlangt hatte, übertrug er 1327 die ehemaligen Reichslehen, darunter auch den Königshof, an Heinrich IV. Beyer von Boppard. Die Anlage blieb bis zum Aussterben dieser Adelsfamilie 1598 in deren Besitz.
Zerstörung und Verfall
Während der Auseinandersetzungen zwischen Stadt und Kurtrier wurde der Königshof mehrfach beschädigt. Bereits 1318 soll das Gebäude bei der Belagerung Boppards teilweise zerstört worden sein. Weitere Schäden erlitt es 1327.
Im sogenannten Bopparder Krieg von 1497 setzten Bürger der Stadt den Königshof in Brand, um zu verhindern, dass kurfürstliche Truppen dort Quartier beziehen konnten. Ein Wiederaufbau erfolgte nicht mehr. Bereits die Stadtansicht von Georg Braun und Frans Hogenberg aus dem späten 16. Jahrhundert zeigt den Königshof als Ruine. 1663 wurde die Ruine von Philipp Franz von Sötern an Johann Philipp Freiherr von Walderdorf verkauft. 1789 bestätigte der Amtsverwalter Hugo Peter Herger die Herren von Walderdorf als Eigentümer des sogenannten Beyerhofes und des Königshauses.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die noch vorhandenen Baureste vollständig abgetragen. Beim Bau des Seniorenheims Mühlbad traten 1841 Fundamente zutage, die als Reste von Nebengebäuden gedeutet wurden.
Baubeschreibung
Zeitgenössische Beschreibungen und bildliche Darstellungen vermitteln ein vergleichsweise genaues Bild der Anlage. Hugo Peter Herger erwähnte „Überbleibsel einer alten Burg mit einem runden Turm nebst einem mit Bäumen bepflanzten Hofplatz“.
Eine Ansicht von Goswinus Klöcker zeigt zur Rheinseite hin eine weitgehend erhaltene Zinnenmauer mit rundbogigem Eingang sowie einen noch aufrecht stehenden Turm. Besonders detailliert ist die Darstellung in der Stadtansicht von Braun und Hogenberg aus dem späten 16. Jahrhundert. Demnach war der Königshof von einer rechteckig geführten Zinnenmauer umgeben, die auf der Rheinseite einen rundbogig geschlossenen Zugang besaß. Im Inneren befand sich die dachlose Ruine eines rechteckigen Hauptgebäudes mit drei mal fünf Fensterachsen und einem zur Rheinseite gerichteten Treppengiebel. Auf der bergseitigen Seite standen zwei runde Ecktürme, die mit pyramidenförmigen Helmen gedeckt waren.
Remigiuskapelle
Zum Königshof gehörte die bereits 814 erstmals erwähnte Remigiuskapelle. Das Patrozinium des heiligen Remigius von Reims deutet auf eine Gründung in fränkischer Zeit hin, möglicherweise bereits im 6. Jahrhundert. Die Kapelle war ein kleiner, einschiffiger Saalbau mit Satteldach und einem polygonalen Dachreiter, der von einem spitzen Helm bekrönt war. Sie ist auf den Ansichten von Braun und Hogenberg sowie von Goswinus Klöcker dargestellt. Im frühen 19. Jahrhundert verschwand die Kapelle vollständig. Heute erinnert nur noch ein Heiligenhäuschen an ihren Standort und ihre einstige Bedeutung.
Funde
Im Museum Boppard werden mehrere quadratische Bodenfliesen aus gebranntem Ton mit ornamentaler Verzierung aufbewahrt, die vom Areal des Königshofes stammen sollen. Ihre Entstehung wird in das frühe 13. Jahrhundert datiert. Außerdem wurden auf dem Gelände Pfeilspitzen und weitere Waffenreste gefunden.
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